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Neue Westfaelische (20.06.2006) Seite Politik Weniger Chancen für Migranten Ethnische Diskriminierung am Ausbildungsmarkt TAGESTHEMA VON BERNHARD HÄNEL Bielefeld. In wenigen deutschen Regionen leben so viele Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund wie in Ostwestfalen-Lippe (Deutschland 19, OWL 22 Prozent). Positive Folge: OWL gehört zu den drei jüngsten Regierungbezirken in Deutschland; bis 2020 ist es der jüngste. Eine große Herausforderung für Schulen und Wirtschaft. Zuwandererkinder schließen die Schule weniger erfolgreich ab als so genannte Einheimische. Aber auch die Erfolgreichen haben weniger Chancen, eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz zu finden. Ein Berufliches Qualifizierungs-Netzwerk (BQN) soll jetzt alle Akteure der Region zusammenbringen und gezielte Fördermaßnahmen einleiten. Die Ausgangslage ist dramatisch. Mit einem Anteil von 9,1 Prozent Schülern mit ausländischem Pass und 10,9 Prozent aus Aussiedlerfamilien stellt OWL den höchsten Anteil an Migrationsschülern in NRW. Mit 16,6 Prozent besuchen diese Schüler häufiger als im Landesdurchschnitt (12,7 Prozent) eine Sonderschule. Schon heute kommen in OWL etwa sieben Bewerber auf einen Ausbildungsplatz, so Cemalettin Özer vom BQN. 25.000 Jugendliche, das sind etwa ein Sechstel aller Jugendlichen in der Altersgruppe von 16 bis 25, seien arbeitslos oder suchten einen Arbeitsplatz. Dabei ist davon auszugehen, dass etwa 40 Prozent der Betroffenen einen Migrationshintergrund haben, heißt es in einem Memorandum des BQN für die Gestaltung eines regionalen Handlungskonzepts zur Erhöhung der beruflichen Chancengleichheit von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in OWL, das gestern vorgestellt wurde. Die Ursachen der Misere sind vielfältig und seit Vorlage der PISA-Studie immer wieder beschrieben worden. Doch es ist nicht allein dem Versagen des deutschen Schulsystems und auch nicht dem individuellen Schulversagen geschuldet, dass Migranten weniger Chancen haben, wie Ursula Boos-Nünning, Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Interkulturelle Pädagogik an der Universität Duisburg/Essen erläuterte. In Deutschland scheitern mehr jugendliche Migranten bei dem Versuch, eine Ausbildungsstelle zu bekommen und eine Ausbildung aufzunehmen als zahlenmäßig über eine unzureichende Schulbildung, über zu geringe Sprachkenntnisse sowie über fachliche Defizite verfügen. Die Vermutung einer ethnischen Diskriminierung liege nahe. Je knapper Ausbildungsstellen werden, desto härter wird der Auswahlprozess und desto bedeutsamer wird die Einbindung oder Nicht-Einbindung in soziale Beziehungsnetze, berichtete die Bildungsforscherin. Jugendliche mit Migrationshintergrund würden eher in Berufen ausgebildet, die für einheimische Jugendliche weniger attraktiv seien und die durch eine geringere Übernahmewahrscheinlichkeit und eine höhere Arbeitslosenquote nach Ausbildungsende gekennzeichnet seien. Jeder vierte Bewerber lande in Bildungsgängen des Chancenverbesserungssystems in vielen Fällen ohne die Aussicht auf eine abschlussbezogene berufliche Qualifizierung deutlich zu erhöhen. Ebenfalls jeder Vierte bleibe arbeitslos oder jobbe. Boos-Nünnings Rat an die Region: OWL bedürfe einer interkulturellen Öffnung und einer ernsthaften Diskussion der Ressourcen dieser Gruppe. Ethnische Diskriminierung könne man sich weder erlauben noch leisten. Sonst gehe der erfolgreichen Wirtschaftsregion OWL das Humankapital aus. Berät OWL: Ursula Boos-Nünning von der Uni Duisburg/Essen. ARCHIVFOTO |
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