| | start | sitemap | links | projektinfo | xenos | impressum | kontakt | | ||
|
Bundesjugendkuratorium Bonn, Februar 2005 Die Zukunft der Städte ist multiethnisch und interkulturellStellungnahme des Bundesjugendkuratoriums zu Migration, Integration und Jugendhilfe Präambel Das Bundesjugendkuratorium misst den Themenfeldern Integration und Interkulturalität für eine zukunftsfähige Gesellschaft große Bedeutung zu. Die Zukunft der deutschen Gesell-schaft wird multiethnisch und interkulturell geprägt sein, für die westdeutschen Städte gilt das bereits heute. Deutschland ist schon lange ein Einwanderungsland und es wird zukünftig noch stärker auf Migrantinnen und Migranten angewiesen sein, wie zuletzt im Oktober der Zuwanderungsrat der Bundesregierung in seinem ersten Jahresgutachten betont hat. Darauf muss sich die Kinder- und Jugendhilfe einstellen, will sie einen relevanten Beitrag zur gesell-schaftlichen Entwicklung leisten. Angesichts der Tatsache, dass Deutschland für Fachkräfte aus dem Ausland an Attraktivität gewinnen muss sowie steigender Zahlen von Familien mit Migrationshintergrund ohne und mit deutschem Pass, muss es gelingen, Strukturen und Kulturen zu schaffen, die die Integration der unterschiedlichen Zuwanderungsgruppen in die demokratischen, wirtschaftlichen und sozialen Prozesse der Bundesrepublik ermöglichen. Als das Zusammenleben und damit die Integration beeinträchtigend, sieht das Bundesju-gendkuratorium das zunehmende Misstrauen, die Intoleranz und den Generalverdacht des Fundamentalismus und Terrorismus an, wie sie gegenüber jungen Musliminnen und Muslimen und gegenüber dem Islam an sich geäußert werden. So entsteht eine Atmosphäre der Ausgrenzung und der Diskriminierung, die einen Assimilationsdruck auf Migrantinnen und Migranten erzeugt, der bestehende Integrationsbemühungen konterkariert und den interkulturellen Diskurs behindert. Kinder werden in Deutschland in naher Zukunft zu einem erheblichen Teil in Migrationsfami-lien und dort überproportional in den sogenannten benachteiligten Stadtteilen aufwachsen. Die Aufgabe der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist da-her zu einer bedeutenden Herausforderung für die Gesellschaft und gerade für die Jugend-hilfe geworden, die zentral verantwortet, aber lokal gelöst werden muss. Die langjährige Ignorierung des Sachverhaltes, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, hatte und hat nachhaltige Konsequenzen für die Jugend- und Familienpolitik. Denn bis vor wenigen Jahren wurden Migrationsfamilien und - jugendliche in der politischen Diskussion kaum thematisiert. Ihre Anwesenheit in Deutschland wurde entweder als vorübergehend angesehen oder es wurde angenommen, dass sie sich in überschaubarer Zeit assimilieren würden. Integration als notwendige Auseinandersetzung mit Pluralität und Heterogenität wird erst allmählich als zentrale jugend- und familienpolitische Zukunftsaufgabe erkannt. Integrationspolitik muss zukünftig als Querschnittsaufgabe verstanden werden, in die zahl-reiche - insbesondere lokale - Politikfelder einbezogen und unterschiedliche Akteure einge-bunden werden müssen, wenn sie nachhaltig gelingen soll. Fragen der gegenseitigen Aner-kennung und der interkulturellen Öffnung und Teilhabe müssen unter Beteiligung der jungen und älteren Menschen mit Migrationshintergrund in politische Handlungskonzepte münden, die den sozialen Zusammenhalt in den Kommunen verbessern und eine neue Politik der Anerkennung formulieren und umzusetzen vermögen. Dabei geht das BJK davon aus, dass Integration einen wechselseitigen Prozess zwischen der aufnehmenden Gesellschaft und der zugewanderten Bevölkerung darstellt. Zentrale Orientierungen sind hierfür die Anerkennung der kulturellen Vielfalt und das Ziel eines gleichberechtigten Miteinanders heterogener Be-völkerungsgruppen auf der Grundlage des in Deutschland geltenden Rechts einschließlich der Verfassung. Das kann nur durch die Anstrengungen aller Beteiligten gelingen. Das Bundesjugendkuratorium will mit dieser Stellungnahme darauf aufmerksam machen, dass bisherige Integrationsbemühungen nicht ausreichen, sondern dass weiter gehende politische und strukturelle Veränderungen unabdingbar sind. Es konzentriert sich dabei im Folgenden auf die Kinder- und Jugendhilfepolitik, wobei sich auch Berührungspunkte insbe-sondere zur Familien- und Bildungspolitik ergeben. Zunächst werden Befunde der Migrationsforschung und Stadtentwicklung (1.) sowie zu den Lebenslagen junger Menschen mit Migrationhintergrund (2.) skizziert. Dann werden Möglichkeiten und Grenzen des neuen Zuwanderungsgesetzes und zentrale Forderungen an die deutsche Mehrheitsgesellschaft angesprochen (3.) Daraus folgen Konsequenzen für die Neuorientierung von Jugendfor-schung und -politik (4.) Schließlich geht es darum aufzuzeigen, dass für Verbesserungen der tatsächlichen Teilhabe und des demokratischen Miteinanders ein angemessener Beitrag der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe (5.) ebenso unabdingbar ist wie eine aktive Kinder-, Jugend- und Familienpolitik auf der kommunalen Ebene (6.)............. ....... Vorsitzende des Bundesjugendkuratoriums: Ingrid Mielenz, Nürnberg (Ende des Zitats)
|
Aktuelles
Böhmer legt 7. Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland vor |