|
Nachrichtenarchiv November 2004 zurück zu Aktuelles | Zurück zum Archiv |
|
Bildung als Schlüssel für IntegrationBessere Bildung ist nach einer Studie zur Lebenslage von Mädchen aus Einwandererfamilien der Schlüssel zur erfolgreichen Integration. "Viele junge Migrantinnen legen großen Wert auf einen guten Schulabschluss, doch was sie real erreichen, bleibt hinter diesem Wunsch häufig weit zurück", sagte Marieluise Beck, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, heute bei der Präsentation der Studie "Viele Welten leben" in Berlin. Vor allem beim Spracherwerb müsse Förderung ansetzen. | |  |
Die Studie gehe auf Datenerhebungen aus den Jahren 2001 und 2002 zurück, sagte Marieluise Beck. Die Untersuchungen reichten also viel weiter zurück als der Mord an dem Urheber des Films über die Behandlung von Frauen im Islam. Der Mord hatte die Debatte über Ausländer, Gettos, Integration und Parallelgesellschaften, aber auch über die Rolle der Türkei in Europa erst richtig angefacht. Beck sagte, in der aktuellen Debatte werde die Lebensweise von Migrantinnen als Integrationshemmnis diskutiert. Ihre religiösen Bindungen oder eine starke Familienorientierung würden als Ausdruck mangelnden Interesses an Integration, Bildung oder an ihrem Lebensumfeld gedeutet. Die neue Studie räume mit vielen dieser Bewertungen auf. "Gerade türkische Mädchen und junge Frauen zwischen 15 und 21 Jahren sind in ihrer Zukunftsplanung auf Deutschland orientiert", sagte die Mitautorin der Studien, Ursula Boos-Nünning von der Universität Essen/Duisburg. Mehr junge Frauen mit türkischem beziehungsweise ex-jugoslawischen Hintergrund wollten oder hätten die deutsche Staatsangehörigkeit als ihre Kolleginnen mit italienischem oder gar griechischem Hintergrund, heißt es weiter. "Am meisten verwoben mit ihrem Heimatland sind die Griechinnen", sagte Boos-Nünning. | |  | Zwangsehen finden keine Akzeptanz und sind den Angaben zufolge ohnehin Randerscheinungen. Aber auch mit "arrangierten Ehen" könnte sich 87 Prozent nicht anfreunden. 90 Prozent schließen sie für sich aus. Nur fünf der 950 Befragten würden dem Wunsch der Eltern folgen, einen Partner aus dem Heimatland zu heiraten. Allerdings findet die arrangierte Ehe unter jungen Türkinnen mit elf Prozent immerhin die größte Zustimmung. Zwei Drittel der Türkinnen und 40 Prozent der Griechinnen seien der Auffassung, ihre Eltern würden ihrer Heirat mit einem Deutschen nicht zustimmen. Junge Frauen mit italienischem Hintergrund sehen jedoch kaum, dass ihre Eltern etwas dagegen haben könnten. Feste Größen: Bildung und Familie Von außerordentlicher Bedeutung für die jungen Frauen ist laut Studie die Bildung. Dabei klaffen allerdings Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander, wie Beck sagte. 48 Prozent der befragten Aussiedlerinnen und 47 Prozent der Ex-Jugoslawinnen sowie 39 Prozent der Migrantinnen aus den anderen untersuchten Gruppen hätten niemanden, der bei den Hausaufgaben helfe. Dennoch sei die Familienbindung eine der Hauptstützen für das Bildungsstreben. Laut Studie legen die jungen Mädchen und Frauen Wert auf gute Schulnoten und -abschlüsse, obwohl in ihrem Milieu Bildung in der Regel keine Rolle spielt.  | | Die Studie spricht sogar von "Bildungsaufsteigerinnen". Trotz Rückschläge wie ein- oder mehrmaliges Sitzenbleiben in der Schule und trotz Ausgrenzungserfahrungen verfolgten sie ihren Bildungsweg beharrlich. |
Die jungen Frauen aus den untersuchten Gruppen könnten mit ihrer Motivation und ihrem Durchsetzungsvermögen sogar als Hoffnungsträgerinnen für den deutschen Bildungs- und Arbeitsmarkt gesehen werden. In der Studie "Viele Welten leben" im Auftrag der Bundesfamilienministeriums wurden in Deutschland geborene oder aufgewachsene, unverheiratete Migranteninnen im Alter von 15 bis 21 Jahren türkischer, griechischer, italienischer, und ehemals jugoslawischer Herkunft sowie Aussiedlerinnen untersucht. Das 700 Seiten umfassende Werk steht im Internet und erscheint im Frühjahr gedruckt. Die Studie zum Download in Kurz- und Langfassung finden sie auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Klick hier) |
|
23.11.2004 Religiöse Listen gewinnen Mehrheit im Migrationsrat Rund 30.000 ausländische BürgerInnen und Zugewanderte mit deutschem Pass waren am Sonntag, den 21. November, aufgerufen über den neuen Migrationsrat zu entscheiden. Vorausgesetzt, sie waren am Wahltag 16 Jahre alt und wohnen seit mindestens einem Jahr im Bundesgebiet und sind seit mindestens drei Monaten in Bielefeld wohnhaft, hatten sie die Möglichkeit die Zusammensetzung des Migrationsrates zu bestimmen. Wahlberechtigt waren auch Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit, die diese durch Einbürgerung erlangt haben (Zuwanderer). Nicht wahlberechtigt waren Asylbewerber und abgelehnte Asylbewerber. Der neugewählte Migrationsrat löst in Bielefeld den alten Ausländerbeirat ab. Die meisten Stimmen der 14 direkt zu wählenden Vertreterinnen und Vertreter für den Migrationsrat entfielen auf Mandatsträger, die auf religiös ausgerichtete, türkisch geprägten Listen kandidierten. So konnte die »Aktive Liste«, ein Zusammenschluss mehrerer Moscheenvereine in Bielefeld, 37,4 % auf sich vereinigen. Die »Aktive Liste« kann zukünftig fünf Sitze im neuen Migrationsrat besetzen. | |  |
Zwei weitere Sitze entfielen auf die ebenfalls islamisch orientierte Liste »Türkische Union«. Damit dominieren türkisch geprägte, religiös oriniertiere Listen - wie schon im bisherigen Ausländerbeirat - auch den neugewählten Migrationsrat. Daneben sind auch weltlich und fortschrittliche Gruppierungen vertreten. So erhielt etwa die »Antirassistische Demokratische Liste« 12 Prozent (2 Sitze), die »Initiative für gleiche Rechte« 5,6 Prozent (1 Sitz) und die Gruppe »Zeitgemässes Leben« 5,3 Prozent (1 Sitz) . Auf die liberal geprägte Liste der Religionsgemeinschaft der »Bielefelder Alevieten« entfielen 6,4 Prozent (1 Sitz). Wie schon bei den früheren Wahlen zum Ausländerbeirat war auch die Wahl zum Migrationsrat von einer geringen Wahlbeteiligung gekennzeichnet. Sie betrug nur rund 10 %. Der Migrationsrat soll die Interessen der in Bielefeld lebenden Migrantinnen und Migranten vertreten. Der Migrationsrat kann zu allen, die Migrantinnen und Migranten als solche betreffenden Angelegenheiten, Vorschläge machen und Anregungen unterbreiten. Neben den 14 direkt gewählten Mitgliedern des Migrationsrates werden noch sieben Mitglieder vom Rat gewählt. Dadurch soll sich die Zusammenarbeit zwischen den Zuwanderervertretern und den Kommunalpolitikern verbessern. Weiter Informationen zur Wahl des Migrationsratens finden Sie unter: http://www.bielefeld.de/wahlen/index.php |
|
16.11.04 
Deutsch für Kinder statt deutsch für Imame Gewerkschaft kritisiert aktuelle Diskussion über Integration von Migranten Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) tritt für eine sachliche Debatte über die Integration von Migrantinnen und Migranten in Deutschland ein. Es ist beängstigend, wie hektisch und wenig konstruktiv einige Politiker in Deutschland auf die schrecklichen Ereignisse in den Niederlanden reagieren, sagte GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange am 16.11.04 in Frankfurt a.M.. Weder die Einführung von Schulgebeten noch eine Deutsch-Pflicht für Imame, wie sie Unions-Politiker jetzt fordern, seien hilfreich im Umgang mit Einwandererkindern. Zahlreiche Studien haben längst nachgewiesen: Unser Bildungswesen diskriminiert Migrantenkinder ystematisch. Wenn unser Schulsystem noch immer über 20 Prozent der Einwandererkinder ohne Abschluss entlässt, darf sich niemand wundern, dass es später Probleme bei der Integration geben kann, erklärte die GEW-Chefin. Das deutsche Bildungswesen müsse grundlegend auf seine Integrationskraft geprüft werden. | | 
GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange |
Wir sollten genau schauen: Wo verschärfen wir soziale Auslese? Wie gehen wir mit Ausländerkindern um? Unser Bildungssystem ist vom Auslesebazillus befallen darunter leiden vor allem die Einwandererkinder, sagte Stange. Mit der Sprachförderung der Kinder müsse bereits im Kindergarten begonnen und an die Unterstützung der Eltern gekoppelt werden. Dabei soll nach Auffassung der GEW auch die Mehrsprachigkeit positiv bewertet werden. Die Förderung der Familiensprache hat auch für den Erwerb der Zweitsprache eine große Bedeutung. Viele Studien haben das belegt. Wir brauchen deshalb beides: Die Förderung der Muttersprache und das Erlernen von Deutsch als Zweitsprache, unterstrich die Gewerkschafterin. Dazu benötigen wir qualifiziertes Personal. Dumpingangebote mit ungeschulten arbeitslosen Ein-Euro-Lehrern für die Sprachförderung - wie in Berlin zurzeit geplant - sind unverantwortlich. Wir können es uns nicht mehr leisten, Integration auf Sparflamme zu betreiben. Eine weitere Hürde sei das frühe Sortieren in Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten. Es verschärfe die Benachteiligung von Ausländerkindern. Individuelle Förderung der Kinder, die ganz unterschiedliche soziale Voraussetzungen, Erfahrungen und Talente mitbringen, komme viel zu kurz. Vier Jahre in der Halbtags-Grundschule reichen für eine vernünftige Sprachförderung nicht aus, sagte die GEW-Vorsitzende. Gerade Ausländerkinder seien die Verlierer dieses Systems. Wir benötigen deshalb einen grundlegenden Wandel unseres Schulsystems hin zur einen Schule für alle und mehr Ganztagsschulen - mehr Zeit zum Lernen und Fördern. Allein im vergangenen Schuljahr seien bundesweit rund 44.000 ausländische Schülerinnen und Schüler in Sonderschulen für Lernbehinderte überwiesen worden. Spitzenreiter in Sachen Ausländerdiskriminierung sei übrigens Baden-Württemberg. Hier bestehe für Migrantenkinder ein dreimal höheres Risiko, auf die Sonderschule für Lernbehinderte zu kommen, als für den deutschen Nachwuchs. In Anspielung auf die jüngste Debatte kritisierte Stange auch die Kultusministerin Baden-Würtenbergs, Dr. Annette Schavan: Statt lauthals eine Deutschpflicht in Moscheen zu fordern, sollte Frau Schavan sich deshalb lieber um die Mängel an ihren Schulen und Kindergärten kümmern. Dann wären wir mit der Integration in Deutschland wesentlich weiter, betonte Stange. Mit Aktionismus könne man das Problem mangelnder Integration kaum lösen. |
|

Mehrsprachige Broschüre Für deutschsprachige Bürgerinnen und Bürger ist es oft schwierig, die Medizinersprache zu verstehen. Für ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger gilt dies im besonderen Maße. Insbesondere wenn Sie die deutsche Sprache nicht oder nicht gut kennen. Dazu kommen Verständigungsschwierigkeiten aufgrund kultureller Unterschiede. Mit einer neuen mehrsprachigen Broschüre will die PatientInnenstelle Bielefeld einige Informationen geben und über die Rechte der Patienten informieren. Die Broschüre stellt die elementaren Rechte der Patientinnen und Patienten gegenüber der Ärzteschaft dar, und das in sechs Sprachen: deutsch, französisch, englisch, polnisch, griechisch, russisch und türkisch. Die PatientInnenstelle bietet darüber hinaus Beratungen an. Der unabhängige Verein bietet auch die Möglichkeit der Beschwerde über Mißstände, die anonym gesammelt werden. PatientInnenstelle Bielefeld im Gesundheitsladen, August-Bebel-Straße 16 (Umweltzentrum), 33602 Bielefeld Tel: 0521-133561. Im Internet unter: http://www.patientenstellen.de Die Broschüre kann als PDF-Datei heruntergeladen werden: (Klick hier) |
|
02.11.2004 Handbuch für kommunale Integrationsarbeit erschienenDie Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGST) hat für das Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen ein Handbuch für Kommunen Integrationsarbeit effektiv gestalten erstellt. Ziel dieses Handbuches ist es, den Kommunen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Wirksamkeit der Integrationsarbeit gesteigert werden kann, wie eine strategisches Handlungsweise gelingen kann und durch welche Steuerungsinstrumente die Effektivität und Effizienz der Integrationsarbeit ohne Mittelausweitung erhöht werden kann. 
Zum Downloaden steht das Handbuch auf der Internetseite des Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen zur Verfügung. Zur Internetseite des MfGSFF hier klicken. |
|
26.10.2004 Integration als Zukunftschance Bezirksregierung hat neuen IntegrationsbeauftragtenRegierungspräsident Andreas Wiebe hat Oberregierungsrat Jörg List zum Beauftragten der Bezirksregierung für Integrationsfragen ernannt. | |  | Im Jahre 2020 wird OWL durch die Zuwanderung eine der jüngsten Regionen Deutschlands sein. Angesichts der demographischen Entwicklung und der Bevölkerungsstruktur stellte Regierungspräsident Andreas Wiebe fest: Die Integration der zu uns nach Ostwestfalen-Lippe zugewanderten Menschen ist eine wichtige Zukunftsaufgabe für die ganze Region. Wenn sie gelingt, haben wir große Chancen, die wir nutzen sollten. Der 42-jährige Jörg List leitet das Dezernat Ordnungsrechtliche Angelegenheiten und Staatsangehörigkeitsangelegenheiten der Bezirksregierung Detmold. In den Zuständigkeitsbereich von Jörg List wird zukünftig die Bündelung der verschiedenen in diesen Fragen zuständigen Dezernate der Bezirksregierung sein. Er ist somit Ansprechpartner für alle Fragen der Migration und Integration in der Region. Einen seiner ersten offiziellen Auftritte hatte Jörg List auf der 2. Konferenz des "Beruflichen Qualifizierungsnetzwerkes in Ostwestfalen-Lippe" (BQN OWL), die am 27.10.2004 im Gebäude der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld stattfand. Siehe hierzu auch den Artikel aus der "Neuen Westfälischen" vom 28.10.2004 (Klick hier) |
|
07.10.2004 SternStunden Ein Management-Handbuch für Zuwanderer-Vereine Migrantinnen und Migranten sind nicht nur als Existenzgründer ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern auch ihr bürgerschaftliches Engagement in der Zivilgesellschaft ist hoch willkommen, erklärte Carmen Teixeira, Leiterin des Landeszentrums für Zuwanderung NRW (LzZ) bei der Präsentation des Management-Handbuches für Zuwanderer-Vereine SternStunden. Das Handbuch richte sich an Migrantinnen und Migranten, die einen Verein gründen oder einem bestehenden Verein frische Impulse geben wollen. | |  |
In NRW gebe es bereits über 2000 Migrantenselbstorganisationen. Aber auch Beratungskräfte der Migrationsarbeit und Weiterbildungseinrichtungen seien Adressaten dieses Handbuchs, das Anregungen für die Zusammenarbeit mit Vereinen von Zugewanderten enthalte. Für Laien verständlich gestaltete Checklisten, Planungsformulare und Fall-Beispiele unterstützen den praktischen Charakter des Handbuches und werden ergänzt durch eine CD ROM mit Arbeitsvorlagen. Carmen Teixeira:Alle gemeinsam unterstützen damit das Ziel der Landesregierung, ehrenamtliches Engagement von Zugewanderten in Selbstorganisationen zu fördern. Ein Qualifizierungs-Handbuch wie die jetzt erschienenen SternStunden ist in dieser Form bundesweit einmalig. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in der politischen Bildung können dieses Handbuch für professionelles Vereinsmanagement kostenlos bei der Landeszentrale für politische Bildung, Horionplatz 1, 40213 Düsseldorf bestellen. Die übrigen Interessenten haben die Möglichkeit, das 160seitige Buch für 14,90 Euro über den Klartext Verlag, Heßlerstraße 37, 45329 Essen (info@klartext-verlag.de) oder über den Buchhandel zu beziehen. |
|
Böhmer legt 7. Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland vor mehr
|